🧭 Grundrichtung der Reform
Spannende Einordnung von Latacz-Lohmann – und für viele Betriebe leider ziemlich realistisch gedacht. Wenn man das Ganze auf Betriebsebene herunterbricht, ergibt sich grob folgendes Bild für die GAP ab 2028:
Die neue GAP verschiebt sich deutlich:
➡️ Weniger pauschale Flächenzahlungen
➡️ Mehr projektbezogene Förderung
➡️ Mehr nationale Gestaltungsspielräume
➡️ Stärkeres politisches Narrativ: Wettbewerbsfähigkeit statt Gemeinwohlprämie
Das klingt nach Modernisierung, bedeutet in der Praxis aber vor allem:
mehr Unsicherheit, mehr Bürokratie, weniger verlässliches Basiseinkommen.
🟢 Für wen die GAP attraktiver werden könnte
👨🌾 1. Junglandwirte & Hofübernehmer
Das sind die klaren Gewinner.
Geplant sind projektbezogene Übernahme- und Investitionsförderungen bis 300.000 €.
Das ist deutlich attraktiver als die bisherigen Junglandwirte-Zuschläge pro Hektar.
Attraktiv, wenn:
Betriebsübernahme oder Neugründung ansteht
Investitionen in Stall, Tierwohl, Diversifizierung geplant sind
Förderanträge professionell gemanagt werden
➡️ Für wachstumsorientierte Nachfolger kann die neue GAP ein echter Turbo sein.
🐑 2. Extensive Tierhalter (Mutterkühe, Schafe, Weidehaltung)
Weil gekoppelte Prämien wieder verpflichtend angeboten werden müssen.
Wenn Mitgliedstaaten das ökologisch sinnvoll ausgestalten, können solche Systeme profitieren:
Grünlandstandorte
benachteiligte Regionen
Betriebe mit geringer Intensität
Aber: politisches Risiko
Gekoppelte Prämien können genauso gut in intensive Systeme gelenkt werden.
🌿 3. Betriebe mit starker AUKA-Ausrichtung
Also Höfe, die gezielt auf:
Vertragsnaturschutz
Moorschutz
Extensivierung
Biodiversitätsmaßnahmen
setzen – und in Regionen liegen, deren Bundesländer ausreichend kofinanzieren können.
➡️ Hier kann es sogar mehr Geld pro Hektar als bisher geben – aber nur mit klaren Auflagen und Projektbindung.
🔴 Für wen die GAP deutlich unattraktiver wird
🚜 1. Großbetriebe mit viel Fläche
Kritische Punkte:
Kappung bei 100.000 €
Wegfall oder Schwächung flächenbezogener Grundprämien
hohe Stewardship-/GLÖZ-ähnliche Auflagen
Latacz-Lohmann rechnet vor:
In großen Betrieben bleiben rechnerisch nur noch ~50 €/ha, bevor Bürokratie und Auflagen gegen gerechnet sind.
Für viele 1.500–3.000 ha Betriebe könnte die Rechnung lauten:
„Warum soll ich mir das noch antun?“
➡️ Folge könnte sein: Ausstieg aus Teilen der GAP
→ weniger Umweltwirkung
→ schwierigere Zielerreichung für die Staaten
🌾 2. Kleinere Ackerbaubetriebe ohne Spezialisierung
Bisherige Stützen:
Umverteilungsprämie
Basisprämie
Diese beiden Pfeiler werden geschwächt oder fallen weg.
Gleichzeitig:
Projektförderung ist aufwendig
AUKA oft schwer in intensive Fruchtfolgen integrierbar
wenig Personal für Antragssysteme
➡️ Viele dieser Betriebe verlieren planbares Zusatzeinkommen, ohne realistische Alternativen.
🏞 3. Betriebe in finanzschwachen Regionen
Weil AUKA künftig zwingend kofinanziert werden müssen.
Reiche Bundesländer/Regionen → attraktive Programme
Schwache Regionen → dünne Programme
➡️ Das führt zu einem Fördergefälle innerhalb der EU und sogar innerhalb Deutschlands
→ Wettbewerbsverzerrung wird wahrscheinlicher, nicht kleiner
⚖️ Systemproblem der neuen GAP
Latacz-Lohmann trifft einen Kernpunkt:
Direktzahlungen fördern keine Wettbewerbsfähigkeit – gekoppelte Zahlungen verzerren Märkte – und nationale Alleingänge zerstückeln den Binnenmarkt.
Dazu kommt:
Früher:
- 2-Säulen-Modell
- EU-weit einheitliche Regeln
- Basiszahlung als Einkommensanker
Neu:
- Ein großer Fördertopf
- Nationale Ausgestaltung
- Projektförderung als Wettbewerb
Das heißt praktisch:
GAP wird vom verlässlichen Einkommensinstrument zum Förderwettbewerbssystem.
📌 Kurzfazit
Betriebstyp GAP ab 2028:
🧑🌾 Junglandwirte / Übernehmer 🟢 Deutlich attraktiver
🐄 Extensive Weidehalter 🟡 Chance auf Vorteile – politisch unsicher
🌿 Umweltprogramm-Profis 🟢 Potenziell hohe Förderung
🚜 Große Ackerbaubetriebe 🔴 Deutlich unattraktiver
🌾 Kleine/mittlere Standardbetriebe 🔴 Verlieren verlässliche Basiszahlungen
🏚 Betriebe in schwachen Regionen 🔴 Weniger attraktive Programme
Der eigentliche Wendepunkt
Die GAP entwickelt sich weg von
„Fläche = Geld“
hin zu
„Projekt = Geld“
Das hilft Betrieben mit:
✔ Managementkapazität
✔ Investitionsbereitschaft
✔ Beratung
✔ strategischer Ausrichtung
Und benachteiligt jene, die bisher von stabilen, einfachen Flächenprämien lebten.
Quelle:
topagrar
aktuelle Unternehmer-Tipps zum Thema „GAP wird vom verlässlichen Einkommensinstrument zum Förderwettbewerbssystem“ | Francksen
Inhalte mit KI erstellt oder verändert | ohne Gewähr!

Klaus Francksen
Fachmakler für Agrar-Immobilien und Geschäftsführer / Allein-Gesellschafter der FRANCKSEN Wirtschaftskontor GmbH.
Mitgliedschaften: u.a. bei:
- Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).
- Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht (DGAR).
- Deutscher Bauernverband (DBV).

