Energieakteur, der wie ein Stadtwerk – nur auf dem Land – agiert
Mit dem Regionalwerk Unterallgäu entsteht ein neuer, kommunal getragener Energieakteur, der wie ein Stadtwerk – nur auf dem Land – agiert. 29 Gemeinden und der Landkreis bündeln Know-how, Flächen und Kapital, um Solarparks, Windkraft und Agri-PV gemeinsam zu entwickeln. Davon profitieren besonders Landwirte.
Vorteile für Landwirte beim Solar- und Agri-PV-Ausbau
1. Faire Partnerschaft statt Pachtversprechen
Das Regionalwerk agiert transparent, regional und langfristig. Es kennt die Flächen, Betriebe und kommunalen Vorgaben vor Ort – ein großer Vorteil gegenüber weit entfernten Projektierern mit unrealistischen Pachtversprechen.
2. Unterstützung bei Pacht, Planung & Genehmigungen
Landwirte werden beraten zu:
- geeigneten Flächen und Ertragschancen
- fairen Pachtverträgen (inkl. Sonderkündigungsrechten)
- Bewirtschaftung während der Bauphase
- Ersatzflächen, wenn Pächter betroffen sind
- ökologischen Ausgleichsflächen
- langfristiger Nachnutzung nach 20–30 Jahren
3. Kommunale Wertschöpfung bleibt in der Region
Alle Projekte werden in eigenen GmbH & Co. KG geführt
- Mind. 51 % bleiben in kommunaler Hand
- Standortkommunen haben Vorkaufsrecht
- Flächeneigentümer können sich beteiligen
- Bürger können indirekt profitieren – evtl. per Genossenschaft
4. Günstigere Baukosten durch Mengenbündelung
Durch größere Volumina (z. B. 10 MW statt 1 MW) erreicht das Regionalwerk deutlich bessere Einkaufspreise und Finanzierungsbedingungen.
5. Agri-PV als Zukunftsmodell
Mit Trackersystemen lassen sich 20–25 % mehr Strom erzeugen. Die Fläche bleibt gleichzeitig landwirtschaftlich nutzbar – ideal zur Flächenschonung und Ertragssteigerung
6. Sicherheit beim Aufstellungsbeschluss
Projektabbrüche entstehen oft, weil Gemeinden zu spät eingebunden werden. Das Regionalwerk achtet von Anfang an auf:
- kommunale Richtlinien
- Bodenwertvorgaben
- Abstand zur Wohnbebauung
- Naturschutzanforderungen
- regionale Beteiligung
→ So steigt die Chance erheblich, dass der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss fasst – der Grundstein für jedes Projekt.
Was Landwirte unbedingt beachten sollten
1. Niemals vorschnell Pachtvertrag unterschreiben
Ohne Aufstellungsbeschluss bleibt der Landwirt gebunden – oft über Jahre – und kann die Fläche nicht normal weiterverpachten.
2. Auf Sonderkündigungsrechte bestehen
Beispiele:
- kein Aufstellungsbeschluss innerhalb von 6 Monaten
- keine Einspeisezusage innerhalb von 12 Monaten
- Baubeginn nicht innerhalb von 3 Jahren
3. Bei hohen Pachtversprechen vorsichtig sein
Zahlreiche Projektierer locken mit bis zu 5.000 €/ha – oft unrealistisch und später Gegenstand von Nachverhandlungen.
4. Gemeinde unbedingt vorab einbinden
Ein frühes Gespräch mit Bürgermeister oder Gemeinderat klärt:
- Gibt es klare PV-Richtlinien?
- Überhaupt Chance auf kommunale Zustimmung?
- Tabu-Flächen (z. B. Landschaftsbild, Schutzgebiete)?
Fazit
Ein Regionalwerk wie im Unterallgäu bietet Landwirten erhebliche Vorteile: Planungssicherheit, faire Pachtmodelle, regionale Wertschöpfung, bessere Finanzierung – und die Möglichkeit, Agri-PV und klassische Solarparks nachhaltig und sozialverträglich zu entwickeln.
Damit wird aus der Energiewende nicht nur ein Technologieprojekt, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, das Landwirte, Kommunen und Bürger gleichermaßen stärkt.
Quelle:
topagrar
aktuelle Unternehmer-Tipps zum Thema „Warum kommunale Energiegesellschaften Landwirten große Vorteile bringen“ | Francksen
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Klaus Francksen
Fachmakler für Agrar-Immobilien und Geschäftsführer / Allein-Gesellschafter der FRANCKSEN Wirtschaftskontor GmbH.
Mitgliedschaften: u.a. bei:
- Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).
- Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht (DGAR).
- Deutscher Bauernverband (DBV).

