Wird Saatgut für Landwirte künftig teurer?
Die EU hat den Weg für neue Züchtungstechniken (NGT) wie CRISPR/Cas freigemacht. Das Europäische Parlament hat den Kompromiss zur Reform des Gentechnikrechts bestätigt. Für Landwirte eröffnet dies neue Chancen bei Ertragssicherheit, Trockenheitstoleranz und Krankheitsresistenzen – gleichzeitig sorgen mögliche Patente auf neues Saatgut für Diskussionen.
Was ändert sich für Landwirte?
Künftig werden Pflanzen der Kategorie NGT-1 rechtlich weitgehend wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt. Dazu zählen Sorten, deren genetische Veränderungen auch auf natürlichem Wege hätten entstehen können.
Mögliche Vorteile:
- höhere Trockenheitsresistenz
- bessere Krankheitsresistenzen
- geringerer Pflanzenschutzmitteleinsatz
- höhere Ertragsstabilität
- schnellere Züchtungsfortschritte
Saatgut und Vermehrungsmaterial müssen jedoch entsprechend gekennzeichnet werden.
Bleibt Saatgut bezahlbar?
Der größte Streitpunkt bleibt das Patentrecht.
Ein vollständiges Patentverbot für NGT-Pflanzen fand im EU-Parlament keine Mehrheit. Stattdessen setzt die EU auf eine Lizenzplattform, die den Zugang zu geschütztem Züchtungsmaterial erleichtern soll.
Kritiker befürchten:
- steigende Lizenzgebühren
- höhere Saatgutkosten
- stärkere Marktkonzentration bei wenigen globalen Züchtungsunternehmen
- zunehmende Abhängigkeit der Landwirtschaft von Patentinhabern
Bauernverbände fordern deshalb weiterhin den Schutz des Züchter- und Landwirteprivilegs.
Bedeutung für deutsche Landwirtschaft
Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme und des Klimawandels könnten neue Züchtungstechniken erhebliche Vorteile bieten.
Besonders interessant sind:
- trockenheitstoleranter Mais
- krankheitsresistente Kartoffeln
- klimaangepasster Weizen
- widerstandsfähige Sonderkulturen
Für viele Betriebe könnten dadurch Ertragssicherheit und Wirtschaftlichkeit steigen.
Auswirkungen auf Ökobetriebe
Für den Ökolandbau bleibt NGT-Saatgut weiterhin ausgeschlossen.
Allerdings gelten technisch unvermeidbare Vermischungen mit NGT-1-Pflanzen künftig nicht automatisch als Verstoß gegen die Öko-Verordnung.
Fazit
Die EU setzt auf Innovation statt Verbote. Für Landwirte eröffnen sich neue Möglichkeiten, auf Klimawandel, Trockenheit und Krankheiten zu reagieren. Ob Saatgut künftig teurer wird, hängt maßgeblich davon ab, wie sich Patent- und Lizenzmodelle entwickeln.
Die eigentliche Herausforderung wird darin bestehen, Innovationen zu ermöglichen, ohne die Unabhängigkeit der Landwirtschaft zu gefährden.
Quelle:
agrarheute
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Klaus Francksen
Fachmakler für Agrar-Immobilien und Geschäftsführer / Allein-Gesellschafter der FRANCKSEN Wirtschaftskontor GmbH.
Mitgliedschaften: u.a. bei:
- Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).
- Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht (DGAR).
- Deutscher Bauernverband (DBV).

